Viele Karettschildkröten gerettet!

Serie, 3. Folge: Alanya, Kızılot, östlich von Manavgat

Birgit Gruno und Ali Karadağ retteten viele Caretta Caretta-Gelege vor der Planierraupe!

Wolfgang Achterberg Die umfangreichen Berichterstattungen in den verschiedenen Facebook-Gruppen wie Rund um Side und noch viel Mehr und auf der Facebook-Seite JJ’s Allaroundturkey Magazine erreichten genau das, was sich die deutschen Touristen Wolfgang (60) und Cornelia Achterberg (58) erhofften als sie ihren Hilfe-Appell in die Facebook-Welt tippten: …“In den letzten Tagen sind hier regelmäßig unechte Karett-Schildkröten an den Strand gekommen, um ihre Eier im Sand abzulegen. Ganz in der Nähe konnte ich beobachten, wie diese Gelege bewusst von einer Planierraupe zerstört wurden. Wer kann helfen, diesen unverantwortlichen Irrsinn eines Pension-Betreibers zu stoppen?“

Der Beitrag sorgte für reichlich Wirbel! Birgit Gruno (54), 1. Vorsitzende beim Tierschutzverein Alanya, erreichte eine Hilfe-P.N. Nach einigen Recherchen nahm Birgit Gruno telefonischen Kontakt mit Wolfgang Achterberg auf. Gemeinsam mit dem staatlich beauftragten Tierschützer Ali Karadağ (40) und Ferry Heikoop (32) von STOP Dierenmishandlin, machten sich die drei am Sonntag auf den Weg nach Kızılot, um sich selbst einen Eindruck direkt Vorort auf den Strandabschnitt zu verschaffen, dass zum gepachteten Gelände des Mavi Cennet Camping & Pansiyon-Betreiber, Misirlar Mah. Sahil Kume Evler No:22, 07610 Kızılot, gehört.

 

JJ’s Allaroundturkey Magazine im Interview mit Birgit Gruno und Wolfgang Achterberg

Birgit Gruno, was ergab sich Vorort?

Ali, Ferry, Wolfgang und ich trafen uns direkt vor der Mavi Cennet Camping & Pensiyon. Gemeinsam gingen wir an den Strand und Wolfgang zeigte uns die frischen Stellen, wo die Karettschildkröten ihre Eier abgelegt hatten. Wir waren alle gleichermassen entsetzt als wir feststellten, wie grossflächig ein Traktor mit Planierraupe den Strand plattgewalzt hatte. Das Fahrzeug stand so gar noch dort!

Was ist das für eine Camping-Anlage, Birgit?

Die Einrichtung ist staatlich! Hier dürfen u.a. Mitarbeiter der Städtischen Wasserwerke Antalya ihren Urlaub günstig verbringen.“ Der Pächter Mehmet Doğan betreibt die Camping Anlage bereits seit fünf Jahren.

Konnten Sie mit dem Betreiber persönlich sprechen?

Allerdings! Ali sagte einem der Security-Mitarbeiter der Camping Pension, er solle seinen Chef Mehmet Doğan anrufen. Der weilte auf einer Hochzeit, doch als er mit unserem staatlichen Tierschutzbeauftragten Ali telefonierte, dauerte es keine 15 Minuten und der Pächter war Vorort.“

Wolfgang, wie war die zweite Begegnung heute mit diesem Mann?

Sagen wir mal so: Ich fühlte mich Dank Birgit, Ali und Ferry sehr sicher. Das Gespräch mit dem Pächter verlief ausgesprochen ruhig, sachlich und höflich. Dennoch: Der Pächter versuchte anfangs alles abzustreiten. Er hätte von den Planierarbeiten keine Ahnung gehabt, dabei stand das schwere Gerät ja immer noch unmittelbar vor der Camping Anlage. Dann behauptete der Pächter, es seien gar keine Schildkröten da. Doch wir konnten all‘ seine Lügen widerlegen und machten so gar auf die Hinweisschilder zum Schutz der Schildkröten aufmerksam.

Birgit, was hat Sie besonders bei der Begehung des Tatorts verärgert?

Das der Betreiber bereits seit fünf Jahren den Strand ausgerechnet im Mai planieren lässt, wenn die Schildkröten nach 32 Jahren zum ersten Mal an den Strand zurück kehren, wo sie einst selbst geschlüpft sind, um hier ihre Eier abzulegen. So lange dauert es nämlich, bis eine Schildkröte geschlechtsreif ist! Das ist ein Verstoss gegen den Artenschutz sondergleichen. Des Pächter grösste Sorge war, dass wir seinen Vorgesetzten nicht informieren. Doch wir sagten ihm unmissverständlich, dass wir seinen Chef und das Ministerium für Kultur und Tourismus informieren müssen.

Wolfgang sagt verärgert: Nach vielem hin- und her gestand der Betreiber, dass beim Planieren tatsächlich «einige» Eier zerstört wurden. Mir ist wichtig, dass zukünftig so etwas nicht mehr passiert. Genau diese Tiere locken doch auch viele Urlauber in diese Region. Es ist ein bewegendes Gefühl zu beobachten, wie diese Tiere an den Strand zur Eiablage kommen. Sie haben keine Scheu und vertrauen auf einen respektvollen, achtsamen Umgang durch uns Menschen. Ein Naturschauspiel einer bedrohten Art, das in dem Erwachen des Geleges und der Flucht der Jungtiere ins Meer die Krönung findet. Ehrfurcht und Liebe zu diesen Tieren sind die Folge. Mehmet Doğan hat zwar versprochen, kommendes Jahr den Strand vor der Eierablage der Schildkörten planieren zu lassen, doch um ganz sicher zu sein, werde ich nächstes Jahr bereits im April mit meiner Frau Vorort sein und dem Herrn auf die Finger schauen.

In der beliebten Facebook-Gruppe "Rund um Side und noch Mehr" startete Wolfgang Achterberg seinen Hilferuf, der zahlreich nicht nur gehört wurde. Menschen wurden gemeinsam aktiv!
In der beliebten Facebook-Gruppe „Rund um Side und noch Mehr“ startete Wolfgang Achterberg seinen Hilferuf. JJ’s Allaroundturkey Magazin unterstützte Wolfgang Achterberg wie zahlreiche andere Menschen. Gemeinsam wurden wir aktiv und konnten so wenigstens einen Teil der abgelegten Eier der artgeschützten Karett-Schildkröten retten!

Birgit, wie erklären Sie sich, dass nach wie vor so viele Türken kein Verhältnis zur Natur und zu Tieren aufbauen können?

Ich könnte es jetzt mit einem Satz abtun: Fehlende Sozialkompetenz, doch tatsächlich ist es komplizierter. Sicherlich ist es vor vielen Jahren so gewesen, dass das Leben auf dem Land sehr hart war. Dort galten Tiere ausschliesslich als Nutztiere. So bald sie ausgedient hatten, wurden sie geschlachtet und durch neue ersetzt. Hunde und Katzen gelten als „schmutzig“. Sie dürfen niemals ein Haus oder eine Wohnung von innen betreten. Die meisten Stadtmenschen kommen mit Tieren nicht in Berührung. Sie pflegen von Hause aus eine Antipathie Tieren gegenüber. Heute denken viele Stadtkinder tatsächlich, dass die Milch aus der Tetrapack-Tüte kommt. Hier gibt es grossen Nachholbedarf, der vor allem in den Elternhäusern beginnen sollte und später dann in den Kindergärten und Schulen.

Werden Sie von Männern hierzulande in Ihrer Funktion als Vorsitzende des Tierschutzvereins Alanya akzeptiert?

Das hat aber nur in zweiter Linie damit zu tun, dass ich Deutsche – Yabancı bin. In erster Linie bin ich eine Frau, die vor allem Männer zu nahe tritt, wenn sie gegen geltende Tierschutzgesetze verstossen. Das Gefälle zwischen gebildeten und nicht gebildeten Menschen in dieser Region ist sehr gross. Es sind vor allem die Lokal-Matadore, die sich wie Patriarchen aufführen und die es in keiner Weise dulden können, wenn ihnen eine Frau sagt, was zu tun ist.

War das der Grund, weshalb Sie diesen Auswärtstermin in Begleitung des amtlich bestellten Tierschutzpflegers Ali Karadağ wahrgenommen haben?

Ja! Als Deutsche und Frau hätte ich hier Vorort gar nichts ausrichten können. Das ist traurig, aber die Wahrheit. Wir haben noch sehr viel in der Türkei zu leisten, ehe Männer tatsächlich Frauen als gleichberechtigte Menschen anerkennen. 

Was droht dem Pension-Pächter jetzt? Wird er eine Strafe erhalten?

Das hängt tatsächlich von der Gemeinde ab, ob sie gegen Mehmet Doğan Strafanzeige stellen wird. Wir werden auf jeden Fall Ende Juli Anfang August wieder hier her kommen, um dafür zu sorgen, das die wenigen schlüpfenden Schildkröten sicher den Weg zum Meer finden. Im April / Mai kommenden Jahres werden wir rechtzeitig wieder hier sein, um dem Pensionsbetreiber keine Gelegenheit zu geben, die Schildkröten beim Errichten ihrer Gelege zu stören. 

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, Frau Gruno, wie würde der lauten?

In dieser Region würde ich mir wünschen, dass sich Greenpeace Akdeniz – Türkiye und auch der türkische WWF viel stärker einbringen würden. Antalya ist flächenmässig einfach zu gross für unseren Tierschutzverein. Überall in Antalya müssten gezielte Beobachtungsposten aufgebaut werden, um dafür zu sorgen, dass die Caretta Caretta im Frühling ungestört ihre Eier im Sand ablegen kann und das die geschlüpften Schildkröten ungestört den Weg zum Meer finden. Es braucht dringend klare Gesetze für sämtliche Strände der Türkei, wo noch Meeres-Schildkröten zu finden sind.

Alle Menschen dieser Welt möchten gern Zeuge unberührter Natur sein dürfen, doch da wo der Mensch hinkommt, sind folgenschwere Eingriffe in die Natur vorprogrammiert. Respektlosigkeit, Egoismus, Desinteresse und mangelnde Sozialkompetenz zerstören alles. Wolfgang Achterberg trug mit seiner Beherztheit entschieden dazu bei, dass einem «schwarzen Schaf» in unseren Reihen das Handwerk gelegt wurde. Immerhin! Dennoch: überall an der Ägäis, am Mittelmeer und auch am Schwarz Meer finden sich reichlich solcher Natur-Schänder. Sie wollen einfach nicht verstehen, dass es unsere Natur ist, die uns ernährt und beglückt. Doch je schneller wir reagieren und gemeinsam tatkräftig eingreifen, umso schwieriger wird es für solche Halunken!

Greenpeace Akdeniz – Türkiye und der WWF in der Türkei könnten an unseren Meeren und Küsten mit unser aller Unterstützung viel leisten! Birgit Gruno sagt: „Der Tierschutz in der Türkei steht ganz am Anfang. Ausländer, die sich hier zu Lande für den Tierschutz engagieren, werden oftmals nicht ernst genommen und meistens in unserer Arbeit auch nicht unterstützt. Daher sind wir dringend auf mehr Unterstützung von renommierten Unternehmen wie Greenpeace und WWF angewiesen.“

Fortsetzung folgt!

Lese gern auch die erste Folge der Serie: Planierraupe zerstört Gelege der unechten Karettschildkröte

Hier findest du die zweite Folge der Serie: Achtung! Hier legen Schildkröten ihre Eier ab!

 

Wissenswertes über die Unechte Karettschildkröte

Die Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta) ist eine Vertreterin der Meeresschildkröten und stellt wahrscheinlich die bekannteste und die häufigste dieser Gruppe dar. Die meisten Erkenntnisse über Meeresschildkröten im Allgemeinen stammen aus Forschungsarbeiten über diese Art.

Merkmale

Bei der Unechten Karettschildkröte wird der Rückenpanzer (Carapax) bis zu 120 Zentimeter lang. Sie erreicht ein Gewicht von bis zu 110 Kilogramm. Die Grundfärbung des Tieres ist rotbraun, erwachsene Tiere bekommen einen gelbbraunen Bauchpanzer. Von der Echten Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata) unterscheidet sie sich durch einen dickeren Kopf mit mächtigeren Kiefern und fünf anstatt vier Paar Rippenschilde.

Die Männchen sind daran erkennbar, dass sie über einen längeren Schwanz sowie über längere und gebogene Krallen verfügen. Ihr Plastron ist etwas kürzer. Ihr Carapax ist stärker abgeflacht und breiter.

Verbreitung

Die Unechte Karettschildkröte ist in allen tropischen und subtropischen Meeren zu finden, einschließlich des Mittelmeeres. Die Weibchen legen ihre Eier am Strand, unter anderem auf Zakynthos in der Bucht von Laganas, auf Kefalonia an der Mounda Beach, wie auch auf Zypern in der Lara Bay und am Strande von Anamur/Südtürkei. Von der Art sind zwei Unterarten bekannt, die Caretta caretta caretta und die Caretta caretta gigas. Letztere Unterart ist im Indopazifik beheimatet. Einige Autoren halten eine Unterscheidung von Unterarten bei der Unechten Karettschildkröte für nicht gerechtfertigt.

Ernährung

Die Nahrung der Tiere besteht vor allem aus Krebsen, Kopffüßern, Quallen, Seeigeln und anderen Tieren, aber sie fressen auch Seegras. In Mägen von untersuchten Unechten Karettschildkröten wurden allerdings auch schon Schlüpflinge der eigenen Art gefunden.

Fortpflanzung

Die Paarung findet meist an der Wasseroberfläche statt. Die Weibchen legen mehrere Gelege, die jeweils zwischen 23 und 178 Eier umfassen. Der Abstand zwischen den einzelnen Eiablagen beträgt zwischen 12 und 23 Tagen. Die Eier sind rund und haben eine lederartige Schale. Die Inkubationszeit ist abhängig von der Umgebungstemperatur und beträgt zwischen 49 und 80 Tagen. Die größte bekannte Nistkolonie dieser Schildkrötenart findet sich auf der Insel Masirah, die zum Sultanat von Oman gehört. Dort legen durchschnittlich 30.000 Unechte Karettschildkröten jedes Jahr Nistgruben an.

Gefährdung und Schutz

Die Unechte Karettschildkröte wird von der Europäischen Union in den Anhängen II und IV der FFH-Richtlinie als prioritäre Art geführt und gilt damit als streng zu schützende Art von gemeinschaftlichem Interesse, für deren Erhaltung von den Mitgliedsstaaten besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen.

 

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