Türkische Fahrer-Erlaubnis: Für Dauer-Aufenthalter ein Weg von Pontius zu Pilatus

Im Fadenkreuz türkischer Behörden oder eher Zwischenhändler-Abzocke?

Einfachste Dinge wie Ikamet (Aufenthaltserlaubnis) oder Führerschein gestalten sich als Europäer in der Türkei komplizierter als in der Heimat. Ein wichtiger Grund hierfür ist sicherlich die fehlende Kenntnis der türkischen Amtssprache, die auch in Deutschland für einen Deutschen oftmals nicht einfach zu verstehen ist. Meine Freundin Eva B. schildert hier auf eindrückliche Weise, welche Prozedur sie aktuell hinter sich bringen musste, um den türkischen Führerschein zu beantragen, der ab den 1. Januar 2016 Pflicht für jeden Ausländer ist, der sich in der Türkei durchgehend mit Ikamet hier aufhält. Lest Evas Erfahrungsbericht hier:

Hallo lieber Herr H.,

für die Facebook-Gruppe „WIR MÄDELS IN DER TÜRKEI“ habe ich folgenden Beitrag geschrieben. Darin ist auch eine genaue Aufstellung der Kosten des Führerschein-Umtauschs enthalten. Ich schicke Ihnen das bloß mal zur Info, vielleicht ist es ja für weitere Residenten von Interesse. Ich hab‘, ehrlich gesagt, immer noch Puls. Sowohl das mit der Prüfung des Abiturzeugnisses in Antalya als auch den Hick Hack um die Quittung finde ich nur so mittel witzig.
Und was wird man sich nach Ikametverschärfung und Führerscheinumtausch in diesem Land als nächstes einfallen lassen, um die Ausländer zu quälen, sie hin-und herzuscheuchen und ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen?

Ich habe es ja schon angekündigt, hier also nun meine neuen Erkenntnisse zum Umtausch des deutschen Führerscheins in einen türkischen. 

Liebe Grüße, Eva B.

Eva B. Odyssee oder Weg von Pontius zu Pilatus:

Unverschämt teuer und aufwendig

„Gleich zu Beginn mein Fazit: Es ist unverschämt teuer. Und unfassbar aufwendig. Von einem „Umtausch“ kann man da schon nicht mehr wirklich sprechen.

Ich war gestern auf dem Trafik Takip in Alanya, am Otogar, gegenüber der dortigen Polizeistation. Ich legte Pass, Ikamet, den deutschen Führerschein, 4 Passbilder und mein Abiturzeugnis vor.
Daraufhin verschwand der deutsch sprechende Mitarbeiter kurz zur Polizei und kam dann mit der Botschaft zurück, dass ein Umtausch möglich sei. ABER:
  • Ich müsse den deutschen Führerschein dann abgeben (das wusste ich ja schon),
  • ich müsse eine Gesundheitsprüfung machen (Termin teilt er mir mit),
  • und ich müsse ein- oder zweimal nach Antalya (!), um dort prüfen zu lassen, ob mein deutsches Abitur-Zeugnis auch ausreicht, um in der Türkei ein Auto fahren zu können. Man müsse da einen bestimmten Schulabschluss haben und es wird nun in Antalya geprüft werden, ob mein Abi da mithalten kann. Hhhhmmmmpppff.”

AllaroundTurKeys Einwand: Bei dem letzten Punkt muss ich einfach mal nachfragen, für wie dumm will man uns verkaufen? Darf jemand, der nur die Mittlere Reife oder den Abschluss der Volksschule nachweisen kann, keinen türkischen Führerschein erhalten?

«Dann machte er mir eine Kostenrechnung auf, die ich Euch mal so weitergebe»:

  1. 128 TL bekommt die Polizei für den Führerschein (Plastikkarte),
  2. 124 TL kostet die Übersetzung und notarielle Beglaubigung des deutschen Führerscheins,
  3. 180 TL kostet die Untersuchung im Krankenhaus,
  4. 60 TL für Formulare und Mappe,
  5. 150 TL nimmt das Trafik Takip für seine Arbeit,
  6. 418 TL sind als Steuer für den Führerschein zu entrichten,
  7. 198 TL kostet die Übersetzung und notarielle Beglaubigung der Schulzeugnisse und
  8. 150 TL kommen für die Prüfung des Zeugnisses in Antalya hinzu. Ob dies wirklich nötig sein wird, wird (auf meinen Einspruch hin) derzeit aber noch durch den Mitarbeiter geprüft
  9. In Summe macht das 1.258 TL bzw. mit Antalya 1.408 TL. (das sind rund 500 €, die Redaktion).

Quittung? Keine Selbstverständlichkeit in der Türkei

Eva B. berichtet weiter: „Ich finde das unglaublich. Nach dem Ikamet ist das eine weitere teure Baustelle. Wer hat mal so eben 1.408 TL übrig?! „Interessant“ war zudem, dass ich nach Bezahlung des Geldes wieder einmal (wie so oft hier) um eine Quittung kämpfen musste. Erst wollte man mich mit einem Stempel auf dem Schmierzettel abspeisen, auf dem er die einzelnen Posten aufgelistet hatte.

Das Trafik Takip ist eine offizielle Stelle, aber einen Standard-Quittungsblock haben die nicht?! Schwer zu glauben. Schließlich bekam ich nach weiteren Diskussionen eine Unterschrift und auch nach nochmaligen Diskussionen das entscheidende Wort auf dem Schmierzettel vermerkt, dass er das Geld von mir ERHALTEN hat.

Zwischendurch hatte er mir gesagt, wenn ich ihm nicht vertraue, könne ich mein Geld wiederhaben. Ich hasse solche Erpressungen. Ist es hier im Geschäftsverkehr nicht üblich, den Empfang von Geld ordnungsgemäß und ohne Diskussionen zu quittieren? Geht man vor Gericht, wird logischerweise verlangt, dass man solche Beweismittel vorlegt. Aber immer wieder versucht man, Quittungen zu umgehen, sei es im Autohaus bei der Anzahlung, beim Kabel-TV usw. Das wirkt auf mich alles nicht wirklich seriös. Ich lasse mich nach der ersten drastischen Negativ-Erfahrung nicht mehr ohne Quittung abspeisen, aber dass ich immer wieder darum KÄMPFEN muss – da fehlen mir die Worte …”

Vielen meiner Freunde ergeht es in der Türkei ähnlich

Fazit: Es ist als Europäer in der Türkei nicht einfach anzukommen. Ich frage mich, was eigentlich das auswärtige Amt tut, um es uns Deutschen, Schweizer und Österreicher in der Türkei leichter zu machen? Wo bleiben die bilateralen Verträge? Was tut die Türkei, um gewissen „Zwischenhändlern“ das Handwerk zu legen, die sich uns gegenüber so verkaufen als wenn sie uns menschlich bei Behörden-Gängen zur Seite stehen, doch tatsächlich uns „Ahnungslosen im Dschungel neuer türkischer Gesetze“  aufgrund fehlender Amtssprache-Kenntnisse vor allem die Lira aus dem Portemonnaie ziehen wollen?

Mehr als eine halbe Millionen Deutsche leben nicht nur hier, viele arbeiten auch in der Türkei. Sicherlich hat es ein deutscher Angestellter bei Mercedes oder Volkswagen einfacher, weil der Arbeitgeber dem Angestellten zur Seite steht. Doch was ist mit allen anderen, die sich als Selbständiger eine Existenz hier aufbauen?

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