Talip und Alev pinseln Bodrum kunterbunt

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Porträt

Der Schauspieler und seine Assistentin gestalten das St. Tropez der Türkei noch fröhlicher!

Weisse Steinhäuser, blaue Fensterrahmen, pinke Bougainville, gelbe Mimosen, Oleander-Sträucher und -Bäume in zartrosa und weiss, die smaragdfarbende Ägäis und der strahlend blaue Himmel lassen Bodrum zu jeder Jahreszeit fröhlich bunt strahlen. Neuerdings wirkt das St. Tropez der Türkei noch farbenfröhlicher. In Städtchen wie Gümbet, Ortakent, Torba oder auch in Goltürbükü schmücken rote, gelbe, pinke, grüne, weisse und blaue Stühle und Tische Restaurants und Cafés an Strassen, Plätzen und an den zahlreichen Stränden Bodrums. Wer macht nur diese Stühle und Tische, die wie fröhliche Farbkleckse in der Landschaft wirken? Des Rätsels Lösung verbirgt sich in dem kleinen Künstler-Dörfchen Dereköy, das auf dem Weg nach Gümşlük, ehemals griechisch Myndos, liegt. Über den Hauseingang der rund 200-jährigen ehemaligen Oliven-Destillation verrät ein rotes Holzschild in grossen weissen Lettern TAHTA SANDALYE, das auf die grosse Ausstellung der handgefertigten Holzstühle, Hocker, Barhocker, Tische in diversen Grössen, kleinen und grossen Holzkisten, hinweist.

 

Bodrum war schon immer ein Ort für «Aussteiger»

Hier treffe ich den Schauspieler Talip Guran (57,  «Hababam Sınıfı», Roman-Verfilmung des Schriftstellers Rıfat Ilgaz) und seine zauberhafte Assistentin Alev Buharali (55), die mich spontan in ihren schattigen Garten zu frisch gekühlter Honigmelone und Çay (Tee) einladen. Selbst im Schatten herrschen glühende 40 Grad Celsius und dabei steht uns der heißeste Monat August erst noch bevor. Talip legt sich in die Hängematte während Alev kühles Wasser serviert. Der wilde Hund kommt mit müdem Gang vorbei getrottet. Mit neugierigen Blick schaut der Kerl auf leisen Pfoten in das kühle Steinhaus, das als Ausstellungsraum dient. Sein unschuldiger Blick verrät: „Darf ich rein kommen?“ Nein. Er darf nicht! „Die Hundehaare legen sich überall ab. Auch auf den Stühlen. Das geht einfach nicht“, merkt Alev eher beiläufig an.

Alev fragt mich eher nebenbei, ob ich weiss, dass ihr Arbeitgeber Talip Guran einst Schauspieler war. Ich schüttle verneinend den Kopf. Das Stichwort für Talip. Er schmunzelt und sagt: „Woher auch? Das ist ja jetzt bestimmt schon 30 Jahre her, dass ich als Schauspieler in Istanbul gearbeitet habe. Der berühmte türkische Schriftsteller Rıfat Ilgaz schrieb den Roman  «Hababam Sınıfı», der verfilmt wurde und in dem ich mitwirkte. Spontan greift er nach seinem iPhone und sagt: „Schau mal, was für ein hübsches Kerlchen ich damals war.“

 

Doch Alev winkt lachend ab und sagt charmant: „Wir haben alle unsere Vergangenheit. Lass uns lieber über unsere Gegenwart reden.“ Recht hat sie. Und die gestaltet sich wie gesagt sehr bunt und abwechslungsreich. „Verrate doch mal Talip, wie du auf die Idee mit diesen Stühlen und Tischen gekommen bist?“, ermahnt Alev ihren Arbeitgeber mit einem heiteren Lächeln auf den Lippen und dennoch mit bestimmten Ton.

„Willst Du das wirklich wissen, JayJay?“, hackt Talip nach. Ich schmunzle und antworte: „Ja, sicher doch. Und meine Leser in der Türkei, Deutschland, Österreich und Deutschland ebenso.“
„Okay, okay“, sagt Talip. „Mein Vater Dursun Ali Guran war ebenfalls Schauspieler. Als Kind und Teenager durfte in den Open Air Kinos in Istanbul die Holzstühle aufzustellen. Das waren genau diese, die wir heute produzieren. Sie sind einfach unverwüstlich! Das Holz stammt von der Platane, die vor allem in Anatolien wächst. Das Holz ist zum Verarbeiten hervorragend geeignet. Es ist nicht anfällig und hält so manchen Schlag auf dem Boden aus“, erzählt Talip überzeugt. Und um Talips Aussage Nachdruck zu verleihen, greift Alev spontan nach einem Stuhl und ruft mir entgegen: „Schau JayJay, was ich jetzt damit mache“, und schleudert sogleich das gute Stück im hohen Bogen auf den Schotterweg, hebt ihn auf und reicht ihn mir: „Schau nur selbst. Keine Schramme. Keine Delle. Einfach nichts.“

In dem anatolischen Dorf Çinar werden die Stühle von Hand angefertigt

Es war Talips Schwager Erkan Çalışkan in Istanbul, der die Geschäftsidee vor rund vier Jahren hatte. „Heute noch haben wir die Stühle aus Vaters Zeiten in unseren Haushalten. Da lag die Idee nahe auch anderen diese Stühle anbieten zu wollen. Mein Schwager wird seinem Nachnamen gerecht, der tatsächlich im deutschen «fleissig» bedeutet. Von Erkans Geschäftsidee und Fähigkeit Geschäfte aufzuziehen, profitiert jetzt unsere ganze Familie! Das macht nicht nur Erkans Frau glücklich, die meine Schwester ist, sondern auch mich!“, plaudert Talip aus dem Nähkästchen.

Dann sagt Talip: „Erkan reiste nach Anatolien um sich verschiedene Tischlereien anzusehen und fand dann in Çinar die richtige Werkstatt, die sich auf die Verarbeitung mit Platanenholz spezialisiert hat und die exakt nach unseren Angaben die Einzelteile der Stühle von Hand anfertigen. Es braucht bis zu 40 Männer und drei bis vier Arbeitstage, ehe sämtliche Teile für einen Stuhl fertig gestellt sind“, sagt Talip.

Es werden auch kleine und grosse Tische, Beistell- und Bartische, Barhocker und Kindermöbel aus Platanenholz produziert.  „Allerdings erhalten wir alles unbehandelt. So bald uns die Stühle und Tische erreichen, bedeutet das für uns, dass wir jedes einzelne Stück von Hand abschleifen und polieren müssen, ehe wir dann zum Farbpinsel greifen können“, verrät Talip.

Tatha Sandalye bunte Stühle ziehen um die Welt – so gar bis nach Puerto Rico!

Tahta Sandalye erobert nicht nur Istanbul und Bodrum. Inzwischen schmücken die kunterbunten Möbel auch die Küste rund um Marmaris bis nach Antalya. Selbstbewusst sagt Talip: „Die ägäische Küste gehört uns!“, und weiss dann noch zu berichten: „Ein Türke ist nach Puerto Rico eingewandert, um dort sein Restaurant «Alibaba» zu eröffnen. Als er jetzt Ferien in Bodrum machte und unsere Stühle entdeckte, entschied er sich spontan sein Restaurant in Südamerika neu zu gestalten. Er kaufte reichlich Tische und Stühle in allen Farben bei uns ein, die er dann mit einem Containerschiff nach Südamerika verschiffen liess. Wir freuen uns schon jetzt auf seine Fotos.“

Talip und Alev – zwei Lebenskünstler, die Bodrum-Dereköys Idylle und Stille lieben

Der materialistischen Welt des Daseins haben Talip Guran und Alev Buharali von je her abgeschworen. Sie sehen viel mehr den Reichtum der Stille und der Schönheit der Halbinsel umgeben von der Ägäis, Mandarinen- und Orangenplantagen, Olivenhainen, Granatapfel- und Feigenbäumen. Beide halten es wie einst der Schriftsteller, Dichter und Maler Cevat Şakir Kabaagaçlı (1887 bis 13.10.1973), der unter dem Pseudonym «Der Fischer von Halikarnassos» schrieb. Er ebnete den Weg für den Aufschwung des verschlafenen Fischerdorfes Bodrum zum kosmopolitischen, mondänen Reiseziel. Die „Blauen Reisen“ finden heute auf komfortablen Yachten statt, die in Bodrums exklusivem Yachthafen anlegen können. International bekannt wurde Cevat Şakir durch den Kinofilm Das blaue Exil (1993), einer Verfilmung seiner Memoiren „Mavi Sürgün“, in der Hanna Schygulla eine Hauptrolle spielte. Alev weiss: „Weisst du, JayJay, es ist nicht wichtig, dass mich alle kennen. Wichtig ist, was ich der Welt hinterlasse. Talip bringt den Menschen Stühle und Tische in ihre Gärten und Wohnstuben. Ich male wunderschöne Porträts – am liebsten von Frauen.“

 

Weltenbummlerin und Lebenskünstlerin Alev wurde in Ankara geboren. 1960 zog es ihren Vater Dündar Buharali mit der Familie nach Graubünden in die Schweiz. Da war Alev gerade Mal fünf Jahre alt. Sie besuchte in Flims die Schule, später in Davos die Mittelschule, während „mein Vater als Bauingenieur für die Schweizer erdbebensichere Tunnel baute. 1968 ging es wieder in die Türkei nach Istanbul zurück. Doch aufgrund des Militärputschs zog es meinen Vater 1972 mit der Familie auch schon wieder in die Schweiz. In Zürich und später in Lausanne studierte ich Sprachen. Ja, wir sind viel rum gekommen. Als Kind fand ich das spannend und es sollte mein späteres Leben prägen – immer auf Reisen!“
Früh kam die damals junge Alev mit der Schweizer Intellektuellen-Szene zusammen: „Sie vermittelten mir das Gefühl für Kunst und für die Einfachheit des Lebens. Künstler haben meistens kein Geld. Trotzdem verstehen sie es mit sehr wenig, so viel zu gestalten. Das inspiriert mein Leben heute noch!“ Mehr als zehn Jahre segelte Alev mit ihrem Exfreund von einer griechischen Insel zur nächsten: „Als wir dann auch die letzte Insel gesehen hatten, war unsere Beziehung wie ausgelaufen. Einmal mehr habe ich meine Wenigkeit geschnappt und bin nach Bodrum gegangen. Na ja, und vor zwei Jahren fragte ich dann Talip ob er nicht eine Assistentin bräuchte. Nun bin ich das Mädchen für alles in unserem «Tahta Sandalye» und ich liebe das!“

Was ist Bodrums Geheimnis, dass sich so viele «Aussteiger» aus aller Welt hier so wohl fühlen?

Bei dieser Frage schauen sich Alev und Talip fragend an und antworten unisono: „Bodrums warmes Klima, das Meer, die idyllische Natur und das gute Essen.“ Talip überlegt für einen Moment und fügt hinzu: „Wer einmal in Bodrum war, lernt schnell das die Zeit eine völlig neue Bedeutung bekommt. Unsere Tage empfinden wir auf der Halbinsel viel intensiver. Sie fühlen sich reicher an. Und die Schönheit der Insel streichelt unsere Seelen und Augen. Der Blick auf das Meer öffnet unseren Horizont. Vor allem hier in Dereköy, weit ab vom Massen-Tourismus fühle ich mich ganz besonders glücklich.“

 

Info:

Tahta Sandalye Bodrum Dereköy

BODRUM ŞUBEMİZ

Tel: +90 252 317 05 45

Gsm: 0533 651 98 05

Adres:  Dereköy cad. no:144 Dereköy Bodrum / MUĞLA

E-Posta : bodrum@tahtasandalye.com

 

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