Siegt die Doppelmoral?

Quelle: unbekannt
Neue Serie, 1. Folge:

Ein Schritt vor, fünf Schritte zurück

Türkische Männer haben Angst vor ihren Frauen

Ein Segelschiff legt an meinem geliebten Steg am Camel Beach in Bodrum Kargı an. Fünf junge Männer eilen von Bord und stürmen in das Restaurant Akpınar. Es herrscht großes Geschrei, Gedrängel und Geschupse. Die fünf jungen Männer fackeln nicht lang. Einer der Männer greift zielsicher nach der Hand einer 20-jährigen jungen Frau und rennt mit ihr los als ginge es um Leben und Tod. Ja, sie läuft mit! Freiwillig. Rund 200 Meter müssen sie durch den Sand und über den Steg sprinten, um dann mit einem grossen Satz auf das Schiff zu hechten. Der Motor der kleinen Segelyacht läuft. Der Anker wird hochgezogen. Die anderen vier Männer springen auf das Schiff, das so gleich ablegt. Das alles passiert in weniger als vier Minuten. Im Restaurant herrscht großes Chaos. Eine weinende Mutter. Ein rasender Vater. Touristen, die sich ungläubig anschauen und zum Ausdruck bringen, das sie nicht fassen können, was sie gerade miterleben mussten: Frauen-Entführung am helllichten Tag. Eine halbe Stunde später trifft die alarmierte Polizei ein. „Entführung der volljährigen Tochter“ lautet die Anzeige des Vaters. Heute – sieben Wochen später: Die junge Frau bleibt verschwunden. Von den Kellnern, die am Camel Beach arbeiten erfahre ich: „Der Vater akzeptiert den Freund der Tochter nicht. Sie durfte ihn nicht treffen. Sie soll ihn nicht lieben. Und eine Heirat kam erst gar nicht in Frage. Inzwischen sind die beiden garantiert verheiratet. Ohne den Segen der Eltern.“

Das moderne, wirtschaftlich aufstrebende Land Türkei im Jahre 2015 und die Rolle der Frau löst Stirnrunzeln bei mir aus. Seit 15 Monaten lebe ich nun hier und ich treffe auf viele Extreme vor allem wenn es um das weibliche Geschlecht geht. Sicherlich, dieser Vorfall von „Tochter-Entführung“ durch den Liebsten mag eher die Ausnahme sein. Dennoch: fünf Prozent aller Eheschließungen als Folge des «kiz kacirma» (Mädchenentführung) sollen in der Türkei so zustande kommen. Bei fehlender Duldung muss das Paar oft eine anschließende Verfolgung durch die Familie(n) fürchten. 

Nein, meine Tochter kriegst du nicht!

Da ist zum Beispiel mein guter Freund Kemal Aksoy (31) aus Muğla. Seit fünf Jahren hält er Jahr für Jahr um die Hand seiner Freundin Sezer (25) an. Kemal ist Hotel- & Restaurant-Manager in Bodrum. Im ersten Jahr erteilte Sezers kurdischer Vater Kemal einen Korb: „Nein“. Im zweiten Jahr stellte der Vater die Bedingung: „Bring mir 100.000 TL (33.736 €) und dann reden wir weiter.“

Eine völlig überzogene Geldsumme für hiesige Verhältnisse, die Kemal nie zusammen bringen wird: „In den Sommermonaten verdiene ich 2.500 TL im Monat, doch im Winter keinen Krusch. Bis ich den Betrag zusammen habe, sind Sezer und ich alt. Eigentlich kann ich meine Freundin nur entführen und heiraten“, sagt der inzwischen entnervte Kemal. „Doch das würde für meine Freundin bedeuten, dass ihre Familie sie verstoßen würde. Damit könnte ich nicht leben. Das würde unsere Liebe noch mehr belasten.“

Nächstes Jahr will Kemal ein letztes Mal um die Hand seiner Freundin anhalten: „Sollte Sezers Vater dann noch einmal nein sagen, kapituliere ich.“ Einfach zum Verständnis: „Wir sind seit fünf Jahren ein Paar und wir hatten noch keinen Sex. Das erlaubt Sezers Erziehung und Glaube nicht. Gesund ist das alles nicht, aber die Macht ihres Vaters ist offensichtlich grösser als ihre Liebe zu mir“, resümiert Kemal inzwischen bitter. Und dann fügt er noch rasch an: „Sie hat einfach Angst“. Es klingt fast wie eine Entschuldigung.

Der Sextourismus boomt an der türkischen Riviera

Im Sommer sieht Kemal täglich, wie europäische Touristinnen nach Bodrum kommen und das schnelle Abenteuer mit jungen türkischen Männern suchen. „Das ist wirklich krass. Meistens ist sie schon weit über 40-ig und er gerade mal Anfang 20! Meine Landsleute verkaufen sich für ein paar Euros an europäische Frauen und warum? Sie wollen einfach aus der Türkei raus, weil sie glauben in Europa hätten sie grössere Chancen etwas aus ihrem Leben zu machen als im eigenen Land. Dafür verkaufen sie ihre Körper und um mal deutlich zu werden: sie verkaufen ihre Seelen. Ich schäme mich für diese Männer. Aber sie tun mir auch Leid. Die meisten kommen aus völlig einfachen Verhältnissen vom Lande. So bald die Jungs 16 sind, holt der Vater sie aus der Schule und schickt sie zum Arbeiten. Keinen Schulabschluss. Keine Ausbildung. Einfach Geld verdienen. Viele von denen landen dann hier in Bodrum und arbeiten als Kellner am Strand. Bis zu 16 Stunden täglich, sieben Tage die Woche und das für 800 TL (270 €) im Monat. Die Hälfte davon müssen sie den Eltern nach Hause schicken. Meistens sind die Jungs noch nicht einmal krankenversichert. Macht die Polizei eine Kontrolle an den Stränden um zu prüfen, ob die Kellner angemeldet und somit krankenversichert sind, das jetzt seit einem Jahr Gesetz ist, dann sagt der Chef zu den Polizisten: «Auch der Ahmet, nein, nein, das ist nur der Sohn meines Cousin der seine Ferien hier verbringt.» Und das war’s dann. Die Polizei nickt und geht. Diese Schweinereien müssten endlich mal von den Herrn Politikern bereinigt werden, dann gäbe es nicht so viele Gigolos, die europäischen Frauen erst das Herz brechen und dann in den finanziellen Ruin treiben.“

Längst hat dieser Sextourismus einen Namen bekommen: Bezness. Diese Bezeichnung ist abgeleitet von dem englischen Wort Business und steht in vielen, hauptsächlich orientalischen Urlaubsländern für das brutale Geschäft mit den Gefühlen und dem Vertrauen europäischer Frauen und Männer.

Zweifelsohne: Die wirtschaftliche Entwicklung der Türkei stagniert seit drei Jahren. Kulturell ist sie dennoch rasant. Vielleicht zu rasant. Viele türkische Familien bedienen sich zunehmend der Religion, weil sie hier Halt finden und sie scheint der Familie Stabilität zu schenken. Ist das wirklich so? Oder ist es nicht viel eher so, dass die Politik das Schulsystem biegt, um sich unmündige Schäflein heran zu ziehen?

Ist es von der Politik recht, so viel Einfluss auf die Schule nehmen zu dürfen? Die meisten Schulen wurden zu Imam Hatip Schulen umgewandelt. Die Religion steht wieder im Vordergrund. Erklärt sich so, weshalb der Vater gerade 2015 erneut Einfluss auf seine Töchter ausüben kann, der die Rolle der Frau dank der Politik erneut in Frage stellen darf? Oder ist es nicht viel eher so, dass sich junge türkische Frauen aufgrund der Schulprägung bereits in alte Verhaltensmuster zurück drängen lassen ohne sich selber dabei reflektieren zu können aufgrund fehlender Lebenserfahrungen?

«Die Religion wird missbraucht, um uns Frauen hinter den Kochtopf zu platzieren»

Meine Freundin Fatoş (34) ist Englischlehrerin in Istanbul. Wir haben uns vor über einem Jahr auf der Fähre von Kos nach Bodrum kennen gelernt. Sie trägt gern kurze Kleider, Röcke mit Bluse und Pömps. Ihre schwarze Löwenmähne trägt sie offen. Ihr Make up ist dezent. Noch ist Fatoş verheiratet, aber die Ehe ist nach 13 Jahren gescheitert. Hier in Bodrum hat sie ihre Liebe gefunden. Nun pendelt sie zwischen Istanbul und Bodrum hin- und her. Ihr Geliebter ist verheiratet und hat eine Tochter. Frau und Tochter leben in Marmaris. Das Ehepaar sieht sich nur einmal im Monat. Fernbeziehungen sind in der Türkei nichts ungewöhnliches. Man ist da, wo man Arbeit findet. Und Fatoş weiss, dass ihr Freund sich niemals von seiner Frau trennen wird. „Aus Liebe zur Tochter“, wie Fatoş anmerkt.

Fatoş ist eine moderne türkische Frau. Freude an ihrem Beruf als Lehrerin hat sie schon lange nicht mehr: „Es ist einfach so, dass alle zwei bis drei Jahre ein neues Schulsystem eingeführt wird. Niemals zum besseren. Die Art und Weise wie wir Lehrer heute dazu genötigt werden, Einfluss auf die Erziehung der Kinder zu nehmen, befremdet mich zusehends. Stell dir das Mal vor, JayJay: Wir sollen den Mädchen nahe legen, dass sie auf der Strasse kein Kaugummi mehr kauen sollen. Mädchen müssen den obersten Knopf der Bluse geschlossenen tragen. Mädchen schauen einem Jungen beim Gespräch nie direkt in die Augen, weil sie ihn erregen könnten. Ein Mädchen ist selber Schuld wenn sie belästigt wird, weil sie zu viel von ihrem Körper Preis gibt. Auf subtile Art und Weise wird bereits in sehr jungen Jahren Einfluss auf die Jungen und Mädchen genommen. Das nenne ich Gehirnwäsche. Und am meisten empört mich, dass wir uns das alles gefallen lassen. Keiner begehrt auf. Und als einzelner wirst du mundtot gemacht. Das bereitet mir grosse Kopfschmerzen.“ Und dann spricht Fatoş den Satz raus, der mir Gänsehaut bereitet: „Die Religion wird missbraucht, um uns Frauen hinter den Kochtopf zu platzieren. Das war so. Und das wird immer so bleiben!“

Quelle: Wikipedia
Sabiha Gökçen (Mitte) in Uniform, 1938

Die Jugend wird unsere Zukunft sein

Während Fatoş sich den Frust von der Seele spricht, muss ich an Sabiha Gökçen denken. Sie war die erste türkische Kampfpilotin (1913-†2001) der Welt. Ihr Vater war Vilayet-Hauptschreibers Hafız Mustafa İzzet, der von Sultan Abdülhamid II. ins Exil geschickt worden war. SABIHA GÖKÇEN verlor ihren Vater während der Grundschulzeit. Ihre Geschwister unterstützten Sabiha, um weiterhin die Schule besuchen zu können. Als Sabiha zwölf Jahre jung war, traf sie in Bursa erstmals auf Mustafa Kemal Atatürk. Sie erzählte ihm, dass sie eine höhere Schule besuchen wolle. Nachdem Atatürk von ihren elenden Lebensumständen erfahren hatte, adoptierte er sie und ermöglichte ihr den Besuch der Çankaya-Grundschule in Ankara und später des Üsküdar-Mädchenkollegiums in Istanbul. Sie war eines von acht Adoptivkindern Mustafa Kemal Atatürks, der seinem Volk immer wieder predigte: „Unsere Jugend ist unsere Zukunft!“ und der radikal die Politik von der Kirche trennte.

Frauen sollen vor allem gebären

Im März’15 meldete das türkische Statistikamt TUIK, dass die Türkei eine der niedrigsten Quoten hinsichtlich der Frauenbeschäftigung in Europa zählt. Nach aktuellen März-Zahlen der TUIK ist die Frauen-Beschäftigungsquote in der Türkei mittlerweile auf 27,1 Prozent gesunken. Die Quote für Männer liegt bei etwas mehr als 65 Prozent. Hat meine Freundin Fatoş aus Istanbul tatsächlich recht? Türkische Frauen zurück an den Kochtopf? Fakt ist, dass hochqualifizierte Frauen mit Universitätsabschluss zur Gruppe mit der höchsten Arbeitslosenrate in der Türkei gilt. Offiziell liegt sie bei über zehn Prozent, Experten sprechen von mindestens 17 Prozent. Von den knapp 26 Millionen Beschäftigten im Land arbeiten laut dem Statistikamt mehr als neun Millionen ohne soziale Absicherung.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan macht keinen Hehl aus seiner Ansicht, dass für ihn Frauen und Männer nicht gleich sind und das er die Geburtenkontrolle als „Verrat“ ansieht. Vor allem Frauen sind davon betroffen. Fast die Hälfte der rund 7,7 Millionen beschäftigten Frauen sind nicht sozialversichert, über zwei Millionen Frauen arbeiten unentgeltlich in den familieneigenen Klein- und Mittelbetrieben. Macht das die hiesigen Frauen nicht nachdenklich? Vermutlich kennen die meisten Frauen diese Zahlen nicht.

Der Burkini erobert die Strände an der türkischen Riviera

Ja, ich frage mich als Deutsche in der Türkei, was passiert da in den letzten fünf Jahren? Mag sein, vielleicht sind meine Erlebnisse grundsätzlich für ein Land, das flächenmässig doppelt so gross wie Deutschland ist, aber mit 78 Millionen Einwohnern nahezu gleich viele Bürger wie Deutschland zählt, nur Randerscheinungen. Dennoch: Vor fünf Jahren trug eigentlich nur die Bäuerin ein Kopftuch in Bodrum. Der Tourismus boomt im ehemaligen Fischerdörfchen. Lebten vor drei Jahren noch 32.000 Menschen hier, sind es inzwischen 141.000! Auch das Baugeschäft boomt. Mandarinenplantagen weichen Bungalow-Anlagen. Der Türke zieht da hin, wo er ein Geschäft machen kann – mit der Familie! Viele der Zuzügler kommen aus Ost-Anatolien.

Auch das Straßenbild verändert sich zusehend. Vor allem junge Frauen tragen Ganzkörperbekleidung. Dabei diente der Niqab ursprünglich der Beduinenkultur auf der Arabischen Halbinsel. Dort wurden lange vor der islamischen Zeit von Frauen und Männern Tücher verwendet, um Körper und Gesicht gegen Sand und Sonne zu schützen. Mit Religion hatte das nichts zu tuen. Heute schützen sich die Frauen zunehmend vor den Blicken der Männer. Meine Freundin Ayşe Can (43) sagt: „Ich trage mein Kopftuch, um mich vor der Sonne zu schützen. Meine Tochter Tuzla allerdings ist sehr gläubig und trägt grundsätzlich lange Mäntel und bunte Kopftücher. Ich finde das gut, denn junge Leute brauchen Halt! So hat ihr Verlobter nie Grund zur Eifersucht. Das trägt zum Familienfrieden bei und ich habe meine Ruhe.“

Vor fünf Jahren gab es den Burkini nicht zu sehen. Jetzt ist er in Bodrum eine wie eine Modeerscheinung. Am Camel Beach inzwischen ganz normal.
Immer mehr vor allem junge Frauen tragen den Burkini, um ihren Körper vor fremden Blicken zu schützen.

Während sich die europäischen Frauen der direkten Sonne im knappen Bikini aussetzen, tragen immer mehr junge türkische Frauen selbstbewusst Ganzkörper-Badeanzüge (Burkini) mit eingenähter Kopfbedeckung. Ausgelassen spielen sie mit ihren Freunden am Strand Pingpong oder tauchen tief in die Ägäis ein. Fatma und ihre Eltern, die in Istanbul zu Hause sind, haben ein Häuschen in der Nähe des Camel Beach in Bodrum. Ich kenne Fatma (19) bereits seit sieben Jahren. Als ich sie vergangenes Jahr zum ersten Mal im Burkini sah, war ich irritiert. Ich fragte sie: Warum tust du das? Ihre Antwort: „Ich will die Blicke fremder Männer nicht spüren müssen. Ich fühle mich so sicherer. Meine Mama trägt einen normalen Bikini, wie du weisst. Und mein Vater hat mit meiner Entscheidung einen Burkini zu tragen nichts zu tun. Das mache ich für meinen Freund, damit er keinen Grund zur Eifersucht hat.“  Upppssss – schon wieder dieser Satz… Wer redet euch Türkinnen diesen Unsinn ein? Ach ja, die Schule…

Als ich Fatma mit Atatürks Zitat von 1925 konfrontiere, ist sie sichtlich überrascht: „Unsere Frauen sind empfindsam und von Geist beseelt wie wir auch. Benötigen sie noch unsere selbstsüchtige Aufsicht? Lassen wir sie ihre Gesichter der Welt zeigen und lassen wir sie die Welt sorgfältig betrachten. Es gibt nichts, was wir dabei zu fürchten hätten.“ Verunsichert fragt Fatma: „Das hat Atatürk gesagt? Wow. Der war ja modern drauf.“ Ist das ein Indiz dafür, dass Atatürks Geschichte immer mehr aus dem Lehrplan verschwindet?  Fatma sagt: „Ich habe letztes Jahr Abitur in Istanbul Abitur gemacht. Doch Atatürks Geschichte stand bereits die letzen drei Jahre nicht mehr auf dem Lehrplan. Ich studiere jetzt in der Schweiz für zwei Jahre Kommunikationswissenschaften.“ Damit zählt Fatma tatsächlich zu den privilegierten jungen Frauen in der Türkei.

 

Wer weiss heute noch, dass Atatürk das Schweizer patriarchische Zivilgesetzbuch adaptierte?

Im Sinne des laizistischen Prinzips des Kemalismus wurde eine strenge Trennung von Religion und Politik durchgesetzt. Die Bildungsstätten wurden weltlich profan erneuert und die höheren Schulen erstmals auch für Frauen geöffnet. Aus allen öffentlichen Gebäuden verschwand das Kopftuch in der Türkei! Im Parlament, in Schulen, Behörden, Universitäten wurden Musliminnen mit Kopftuch nicht länger geduldet. Und türkische Frauen durften wählen! Als wichtiger Schritt in Richtung einer realen Gleichstellung der Geschlechter gilt die Einführung des aktiven und passiven Frauenwahlrechts in den Jahren 1930 und 1934.

Die Zahl der ab 1935 tatsächlich ins türkische Parlament gewählten weiblichen Abgeordneten ist jedoch bis heute eher gering. Das höchste Maß an Repräsentation in der Türkischen Großen Nationalversammlung wurde lange Zeit ganz zu Beginn, im Jahr 1935 mit 18 Sitzen erreicht, das entspricht 4,6 Prozent. Nach Finnland mit 6 Prozent war die Türkei damit an 2. Stelle in der Welt. Noch vor wenigen Tagen lag die Frauen-Quote bei 14,3 Prozent. Die pro-kurdische Partei HDP schaffte am vergangenen Sonntag nicht nur den Einzug ins türkische Parlament. Die Oppositionspartei sorgt damit auch für eine starke weibliche Stimme. Von 80 HDP-Abgeordneten sind 31 Frauen. Nach Berechnungen der Deutsch Türkischen Nachrichten entspricht das einem prozentualen Frauenanteil von 38,75 Prozent.

Atatürk schenkte den türkischen Frauen die Gleichberechtigung

Dieses Gesetzbuch wurde am 4. Oktober 1926 durch das neue türkische Zivilgesetzbuch, welches das Schweizerische Zivilgesetzbuch zum Vorbild hatte, ersetzt. Für die Frauen hatte diese Erneuerung weitreichende Konsequenzen. Nahezu jeder Bereich des täglichen Lebens und der sozialen und politischen Rahmenbedingungen wurde durch die Abschaffung des alten osmanischen Rechts und die Einführung der neuen Gesetze beeinflusst. Keine Selbstverständlichkeit! In der Schweiz beispielsweise wurde das Stimm- und Wahlrecht durch eine eidgenössische Abstimmung erst am 7. Februar 1971 eingeführt. Somit war die Schweiz eines der letzten europäischen Länder, das seiner weiblichen Bevölkerung die vollen Bürgerrechte zugestand. Bis zur Einführung des Frauenstimmrechts in allen Kantonen vergingen allerdings weitere 20 Jahre: Am 27. November 1990 gab das Bundesgericht einer Klage von Frauen aus dem Kanton Appenzell Innerrhoden Recht und bestätigte damit die Verfassungswidrigkeit der Innerrhoder Kantonsverfassung in diesem Punkt. So führte Appenzell Innerrhoden als letzter Kanton das Stimmrecht für Frauen auf kantonaler Ebene ein, entgegen einer Mehrheitsentscheidung der Männer an der Landsgemeinde am 29. April 1990.

Atatürk revolutionierte die Türkei und sorgte für die Gleichberechtigung der türkischen Frau 1925. Jetzt schreiben wir das Jahr 2015 und es gehört in Deutschland, der Schweiz und in Österreich zum normalen Stadtbild, dass bei McDonalds oder bei H&M eine türkische Verkäuferin das Kopftuch trägt und muslimische Mädchen mit Burkini am Schwimmunterricht teilnehmen dürfen. Verkehrte Welt? Oder das Recht der Demokratie noch einmal hinterfragt in dem wir einfach rückwärts laufend bemüht sind, die Vergangenheit unserer Ur-Urgrosseltern einzuholen, die nichts weiter als unmündige Gestalten ihrer Zeit waren?

Vorschau:

Serie, Folge 2:

Siegt die Doppelmoral?

Türkische Männer haben Angst vor ihren Frauen…

Warum denken türkische Männer eigentlich: „Europäische Frauen sind unkomplizierter? Mit denen kann man Spass haben ohne gleich heiraten zu müssen!“ Ist das ein Kompliment? Oder eine Degradierung der europäischen Frau?

 

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