Die Türkei spricht Almanca

Neue Serie, Folge 1

Interview mit Dr. Ahmet Refii Dener, dem Deutschen mit galoppierenden türkischen Genen!

Wirtschaftsunternehmen in Deutschland, Österreich und die Schweiz, kurz D-A-CH genannt, kennen den diplomierten Kaufmann Dr. Ahmet Refii Dener (56) als versierten Experten wenn es um die Prüfung der Integration gesunder D-A-CH- Unternehmen in der Türkei geht. Mehr als einhundert Unternehmen wie die erfolgreiche Restaurantkette Vapiano SE mit 140 Restaurants in 28 Ländern mit einem weltweiten Jahresumsatz von 350 Millionen Euro, die Online-Hotelreservierungsportale HRS.de oder aber das WirtschaftsWoche Magazin vertrauen dem smarten Deutschen. Er fliegt von Alanya, Istanbul, Köln, Aachen, Ankara und Frankfurt am Main  hin- und her. Erfolgreiche D-A-CH-Unternehmen beauftragen Dr. Ahmet Refii Dener . Hierfür recherchiert er umfangreich in der Türkei und bringt sein gewaltiges Netzwerk an Kontakten und Erfahrungen ins Spiel. Ahmet Refii Dener findet die geeigneten lokalen Partner oder er gründet türkische Unternehmen für seine Auftraggeber, um sie dann in der Türkei  erfolgreich an den Start zu bringen. Auf seinem Blog go2tr.de schreibt Ahmet Refii Dener, der von seinen Freunden liebevoll ARD gerufen wird, über die türkische Politik und Wirtschaft – stets mit einem Augenzwinkern, einer Brise Zynismus und viel Humor über das aufstrebende, liebenswerte aber chaotische Land Türkei. Der deutsche Business-Entertainer-Berater-Coach-Experte mit „galoppierenden türkischen Genen“ im Interview mit Jacqueline Jane Bartels über D-A-CH-Unternehmen, deutsche, Schweizer und österreichische Auswanderer und deutschtürkischen Rückkehrern in die Türkei, die Liebe zu Deutschland und der Türkei und welche Frau die bessere Partnerin ist.

Dr. Ahmet Refii Dener
Dr. Ahmet Refii Dener

Sind Sie Deutscher? Türke oder Deutschtürke, Herr Dr. Dener?

Ich bin Deutscher! Obwohl ich am 20. September 1958 tatsächlich in der Prachtstrasse Bagdad Caddesi, Bostanci in meinem Elternhaus in Istanbul mit 6,5 Kilo das Licht der Welt erblickte und in der Türkei den Militärdienst absolvierte. Ich gehöre zu den letzten Deutschen, die in der Türkei geboren wurden, aber in Deutschland lebten und arbeiteten, welche für zwei Monate Militär-Dienst in der Türkei leisten mussten. Meine Nachfolger brauchten nur noch einen Monat zu dienen. Für den verkürzten Wehrdienst durfte ich stolze 10’000 DM zahlen.

Sie sind in der Türkei geboren und Sie sind dennoch deutscher? Wie geht das?

Ja! Ich fühle mich deutsch. Das habe ich von meinen Grosseltern, die bei jeder Gelegenheit hervor hoben, was für eine tolle Nation die Deutschen seien. Mein Grossvater, der aus Ankara stammte, machte seinen Führerschein in Deutschland – mit einem Dolmetscher! Was soll ich sagen: Meine ganze Prägung ist Deutsch. Auch meinen Vater zog es 1972 mit uns nach Deutschland. Mein Vater war zu der Zeit als Berater für die Deutsche Entwicklungsgesellschaft (DEG) nach Deutschland beordert worden. 1955 ging er das erste Mal nach Deutschland. Übrigens, er war einer von denen, der aus purer Langeweile die Türkei verlassen hatte. Er musste sich für Kanada oder Deutschland entscheiden. Bedingt durch die deutsche Prägung seiner Eltern, meiner Grosseltern fiel die Wahl auf Deutschland. Unabhängig davon: Ich lebe in der Türkei und hier bin ich immer „der Deutsche“.

Wer war Ihr Grossvater, Herr Dener?

Mein Grossvater war Prof. Hayri Dener, der Gründer der ersten wissenschaftlichen Fakultät auf der Universität in Ankara und mehrjähriger Dekant dieser. Meine Grossmutter Hilmiye Dener war Mathematik-, Astronomie- und Handelskunde-Lehrerin. Beide erreichten mit ihren Physik- und Mathematik-Schul-Büchern, die sie in der gesamten Türkei publizierten einen Marktanteil von 70 Prozent bis 1974 . Manch einer wird sich noch an die Schulbücher meiner Grosseltern erinnern. Meine Mutter Leyla ist Hausfrau und ausgebildete Schneider-Meisterin und mein Vater Reyyan Dener war Dr. Chemie Ingenieur. Er machte seinen Doktor in Gesteins- und Hüttenkunde auf der TH Aachen.

Sind Sie mit einer deutschen Frau verheiratet?

Nein. Meine Frau Ayşe ist Türkin und bevor Sie mich fragen, Frau Bartels: sie wollte auf keinen Fall in Deutschland leben. Bei der Gelegenheit: Die meisten Türken würden niemals in Deutschland leben wollen. Das ist kein Votum gegen Deutschland, sondern ein Votum pro Türkei. Da wo die Großfamilie ist, da möchte die türkische Familie leben. Aus meiner beruflichen und privaten Erfahrung weiss ich, dass ganz selten Ehen zwischen Deutschtürken und Türkei-Türken funktionieren. Diese Paare können sich aufgrund völlig unterschiedlicher kulturellen Prägungs-Entwicklungen nicht auf Augenhöhe begegnen auch wenn die gemeinsame Sprache Türkisch ist. Die Deutschtürken, die in die Türkei zurück gehen und hier arbeiten müssen bleiben immer Ausländer mit einer Neigung für die türkische Sprache. Sie sind – wie ich – in der Türkei immer der Deutsche. Die Türken nennen uns gern Almanci – Deutschländer.

Was führte dazu, dass Sie wieder in die Türkei zurück gingen?

Ach. Das ist eine lustige Geschichte. Ich war auf einer Geschäftsreise von Köln nach Istanbul. Überhaupt war ich nie irgendwo richtig ansässig. Mit meiner damaligen Freundin sassen wir an einem Sonntag Morgen gegen 10 Uhr im Stadtteil Moda in einem Çay Bahcesi (Teegarten). Ein „Zu Vermieten-Schild“ lachte mich an. Die Schönheit des Hauses strahlte mich an. Wie sich später herausstellen sollte, war auch die Wohnung wunderschön. Mein Freundin wollte gleich den Makler anrufen doch ich winkte ab: „Es ist Sonntag gegen 10 Uhr. Das ist viel zu früh. Der schläft bestimmt noch.“ Denkste! Nach zehn Minuten erschien der Makler im Teehaus. Das Haus ist aus dem Jahre 1933 also ein Altbau. Tipp top restauriert und nach modernen Standard renoviert mit einer Deckenhöhe von 3.60 Meter und einer zwölf Quadratmeter grossen Terrasse mit einer phänomenalen Aussicht auf den Topkapi Palast, die Hagia Sophia und die Blaue Moschee. Meine Mietpreis-Frage ging ins Leere. Der Makler sagte, dass der Vermieter eigen sei und sich vorbehielt den Mieter selber auszusuchen. Da hatten wir den Salat. «Wie sollte der Vermieter mir nein sagen können?», dachte ich insgeheim. Diese Feststellung hätte ich nie laut ausgesprochen, weil mich der Makler sofort als überheblich eingeschätzt hätte. „Am Montag kommt der Vermieter nach Istanbul, dann können Sie ihn bei mir im Büro kennen lernen und sprechen“, sagte mir der Makler. Mein Abreisetag.

Hatten Sie ernsthafte Pläne von Köln nach Istanbul gehen wollen?

Nein! Ich hatte nie den Gedanken in die Türkei zu gehen. Warum auch, ich fühlte mich in Deutschland wohl. Dort arbeitete ich. Pferde waren dort mein Hobby. Aber ich war neugierig geworden. Wie verabredet erschien ich pünktlich im Büro des Maklers. Er zeigte mir die Bewerber-Liste. Das Höchstgebot lag bei fast über 4000 € im Monat. Ich sagte zu meiner Freundin: „Komm, lass uns gehen. Das ist ja Wahnsinn.“ „Moment“, sagte der Makler, „diese Bewerber haben die Wohnung ja nicht bekommen.“ Da erschien auch schon der Vermieter mit dem ich gleich ins Gespräch kam. Nach fünf Minuten sagte der etwa 75-jährige Vermieter: „Ahmetcim“, was so viel heisst wie, „mein lieber Ahmet“ und duzte mich dabei. Ich hatte wohl den entscheidenden Satz ausgesprochen, den er hören wollte, nämlich das ich mich in sein Haus verliebt hätte. “ Solche Häuser muss man wie Menschen gut behandeln“, hörte ich mich sagen. Der Vermieter lächelte sanft und sagte: „Da ihr bald heiraten werdet, gebe ich Euch die Wohnung.“ Schluck. Der ältere Herr machte meiner Freundin in meinem Namen einen Heiratsantrag, der Bestandteil der Mietvertrags-Vereinbarung wurde.

Haben Sie die Wohnung tatsächlich für 4’000 € gemietet?

Nein, nein. Die Frage des Vermieters: „Was bist du bereit für die Wohnung monatlich zu bezahlen?“, hatte ich aufgrund des indirekten Heiratsantrages glatt überhört. Ich redete mir ein: „Ahmet, du bist heute Abend auf den Weg nach Köln. Was hast du schon zu verlieren? Sag einfach einen Betrag, den der Vermieter ablehnen muss und dann tschüss. Ein wenig verunsichert sagte ich dem Vermieter: „Wissen Sie, ich kenne mich hier in der Gegend mit dem Mietspiegel nicht aus. Bitte verzeihen Sie mir, falls ich Ihnen einen unrealistischen Preis nenne. Dann sagte ich: „900 TL“ – also ein zehntel des Höchstgebot von 4’000 €. Der Vermieter hielt mir die Hand entgegen und sagte: „Die Wohnung ist Eure.“ Für mich bedeutete das jetzt: Meine Freundin heiraten und eine Wohnung in Istanbul zu besitzen. Mein Kopf glühte förmlich und ich befürchtete, dass mich die Autofahrer auf der Strasse mit einer roten Ampel verwechseln könnten. An diesem Abend flog ich nicht mehr nach Köln. Ich blieb für vier Monate in Istanbul! Sieben Monate später heiratete ich. Für meine Beratungsgespräche in Istanbul wohnte ich nun nicht mehr im Hotel, sondern in meiner eigenen Wohnung. Der erste Schritt um in die Türkei zu gehen war getan. Völlig ungeplant.

Herr Dener, mehr als zehn Jahre boomt die türkische Wirtschaft. Mehr als 6’000 deutsche Unternehmen wie Tchibo, Deichmann, Bauhaus, Multimedia Markt, Mercedes, Bosch, Siemens und Osram sind in der Türkei. Was ist das Erfolgsgeheimnis deutsch-türkischer Zusammenarbeit?

Deutschland ist weltweit tatsächlich mit den meisten Unternehmen bzw. Beteiligungen in der Türkei vertreten. Allerdings konkurrieren die Niederländer mit den Deutschen. Die Niederlande zählen 17 Millionen Einwohner, davon sind 2,5 Prozent türkischer Herkunft, aber 2’500 niederländische Unternehmen sind in der Türkei vertreten. Deutschland zählt 82 Millionen Einwohner mit vier Prozent Türkischstämmiger! Daher müsste Deutschland mit wenigstens 20’000 deutschen Unternehmen in der Türkei vertreten sein. Das könnte ich dann als normal empfinden. Hier gäbe es für die deutsche Wirtschaft noch ein grosses Potential! Und Frau Bartels, ich muss Sie korrigieren, denn die türkische Wirtschaft boomte zehn Jahre. In den letzten drei bis vier Jahren stagniert die Wirtschaft, allerdings boomt der Konsum. Dank der Geschäftstüchtigkeit der Türken ist eine Wirtschaftskrise nicht zu spüren.

Warum lassen sich nicht mehr deutsche Unternehmen in der Türkei nieder?

Der Deutsche weiss zum einen noch nicht einmal, wo die Türkei auf der Weltkarte liegt. Geht in Irak eine Bombe hoch, macht der Deutsche in Antalya keinen Urlaub mehr weil er befürchtet, dort könnte auch eine Bombe hoch gehen. Dabei ist Köln näher an London. Geht dort eine Terror-Bombe hoch, verlässt der Kölner auch nicht seine Stadt. Meine Erfahrung sagt mir, dass die Deutschtürken einen Anteil dazu beitragen, dass nicht noch mehr deutsche Unternehmen in die Türkei kommen. Jeder Deutschtürke ist ein potentieller Türkei-Experte. Sie gehen auf die deutschen Unternehmen los und wollen denen die Türkei schmackhaft machen. Eigentlich eine tolle Sache. Nur, wenn der Deutschtürke sagt: „Die Löhne in der Türkei sind sehr niedrig, da können Sie richtig Gewinn machen und ich kenne dort viele hochgestellte Persönlichkeiten“, schaut der Deutsche wie ein kaputtes Auto und denkt sich: „Was will der von mir?“ Kommt ein deutscher Unternehmer in die Türkei, dann reist er mit einem Deutschtürken als Leithammel an. Ich bin übrigens auch einer. Der einzige Unterschied zwischen einem Deutschen und Deutschtürken in der Türkei ist, der Deutschtürke lernt hier schneller Türkisch.

Wie meinen Sie das? Der Deutschtürke lernt die Sprache schneller? Er spricht doch türkisch?

Inzwischen sind wir in der 4. Generation der Deutschtürken angekommen. Die vierte Generation spricht perfekt Deutsch. Die Eltern nahezu auch. Sie sind in Deutschland geboren. Sie haben den deutschen Pass. Das sind Deutsche. Deutschtürken. Die Sprache Türkisch der Eltern und Grosseltern wird zwar noch gesprochen, allerdings entwickelt sich jede Sprache in jedem Land der Welt weiter und wenn man das nicht regelmässig hört und spricht, dann geht ein grosser Teil der Sprache verloren. Das beobachte ich im übrigen an mir selbst. Mein Deutsch ist schlechter geworden. Das liegt in der Natur der Dinge.

Wie schätzen Sie die türkische Wirtschaft ein?

Die Türkei ist gegen alle physischen Gesetze ein nach oben rollender Ball. Irgendwie geht es immer weiter ohne das tatsächlich jemand daran mitwirkt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan steht der freien Marktwirtschaft im Wege. Ich hatte bis zu den Gezi-Demonstrationen eine hervorragende Auftragslage.  Erdoğans sogenannter Eskalationskurs führte dazu, dass die ausländischen Investoren Angst bekamen und ihre geplanten Vorhaben in der Türkei aufschoben. Eine nachvollziehbare wirtschaftliche Überlegung der Unternehmer. Doch unser Präsident Erdoğan kapiert offensichtlich nicht, wie sehr er mit seinem Handeln der freien Marktwirtschaft schadet. Es gibt keine Meinungsfreiheit in der Türkei. Recep Tayyip Erdoğan ist das Gesetz. Das verunsichert Investoren. Trotzdem: Es gibt genug grossartige deutsche Unternehmen wie Mercedes, Bosch, Siemens oder auch Deichmann und Tchibo, die jeden Tag beweisen, dass es sich lohnt in der Türkei zu investieren. Auch die AHK, die deutsch-türkische Handelskammer in Istanbul beweist mit ihren 850 Mitgliedern, dass es sich nach wie vor lohnt in diesem Land zu investieren. Man sollte einfach den Fernseher und das Radio ignorieren und der türkischen Geschäftstüchtigkeit vertrauen.

Herr Dener, Sie leben mit Ihrer Frau Ayşe und mit Ihrem zehnjährigen Sohn in Alanya. Schauen Sie deutsches oder türkisches Fernsehen?

Ich schaue türkisches Fernsehen. Oder sagen wir besser, solange, bis ich registriere, was für ein Schwachsinn läuft. Als ich in Deutschland lebte, schimpfte ich über die Programm-Auswahl. Nachdem ich nun doch schon einige Jahre in der Türkei lebe, sehne ich mich nach den deutschen Talkshows, Magazine, Journale und Politik-Sendungen. So etwas bildet ungemein. Allein deshalb bin ich den meisten Türken um Lichtjahre an Intellekt und Bildung voraus. Die türkischen Nachrichtensendungen sind der grösste Mist überhaupt. Die Inhalte sind auf das Niveau unmündiger Menschen herabgesetzt. Vom Weltgeschehen erfährt man rein gar nichts. Vom Inland erfährt man so viel wie man den Präsidenten Erdoğan ins Licht rücken kann. Den Rest erledigen die Überwachungskameras. Wird jemand ermordet, ein Juwelier ausgeraubt, ein Verkehrsunfall ereignet sich, stammen die Bilder zu 80 Prozent von Überwachungskameras weil das ganze Land damit zugepflastert ist. Die Volksverdummung durch das türkische Fernsehen ist unerträglich. 

Wie sieht das türkische Bildungssystem aus? Besucht Ihr Sohn eine öffentliche Schule?

Nein. Mein Sohn Sinan Can besucht eine Privatschule. Es ist ein Traum von mir, ihm eine ruhige und gemütliche Schulzeit ohne Umzüge und Schulwechsel bieten zu können. Vom Fachlichen spielt es allerdings kaum eine Rolle, ob er eine staatliche oder private Schule besucht. Fachlich bieten beide Schulen viel zu wenig, um die Kinder sinnvoll zu fördern und auf den Weg zu bringen. Dass was unsere Kinder lernen, wird oftmals viel zu früh beigebracht. Meinem Sohn wurde mit fünf Jahren in der Vorschule der Unterschied einer Republik und einer Demokratie erklärt. Was soll das? Wahrscheinlich ist das der Grund dafür, warum sich in der Türkei keiner daran stört, dass das mit der türkischen Demokratie einfach nicht klappt, weil einfach keiner mehr weiss, was eine Demokratie überhaupt ist. Unsere Kinder müssen an den Koran und an den Propheten Muhammed glauben. Es gibt kein Entrinnen. Neulich schoss mein Sohn im Religionsunterricht den Vogel ab als er seinem Lehrer konterte: „Ich glaube nur das was ich sehe.“ Papas Sohn. Mein Spruch. Den muss er irgendwann mal bei mir aufgeschnappt haben.

Dr. Ahmet Refii Dener und sein Sohn Sinan Can (10).
Dr. Ahmet Refii Dener und sein Sohn Sinan Can (10).

Was wünschen Sie sich für die türkische Jugend, Herr Dener?

Grundsätzlich wünsche ich mir für die türkische Jugend mehr Verstand. Es bringt nichts, stets die Schuld bei den anderen zu suchen oder sich damit zu entschuldigen. Jeder ist seines Glückes Schmied. Unsere Jugend braucht Selbstbewusstsein. Das erlangt die Jugend nur durch Bildung. Ja. Die türkische Jugend ist schlimm dran, da das türkische Bildungssystem am Boden liegt! Es würde Jahrzehnte dauern es erneut aufzurichten. Türkische Lehrer sind schlecht ausgebildet. Wie soll da ein Schüler etwas vernünftiges lernen? Das Schulsystem wird alle zwei bis drei Jahre geändert. Niemals zum besseren. Jetzt sind die meisten Schulen in Imam  Imam Hatip Schulen (religionslastig) umgewandelt worden. Jedes Vermögen dieser Welt kann darauf verwettet werden, dass aus keiner dieser Schulen jemals ein Wissenschaftler hervor gehen wird. Dabei braucht die Türkei dringend Wissenschaftler. Die Türkei muss Hightech produzieren und exportieren. Nur so können die Exporte steigen. Bedingt durch die fehlende Bildung entwickelt sich die Türkei zurück und das wird zwangsläufig dazu führen, dass die Wirtschaft der Türkei auf der Stelle treten wird.

Haben Sie eine Geheimformel für die türkische Wirtschaft, damit es dem Land und seiner Menschen langfristig stabil gut geht?

Das Manko der Türkei ist, dass die Unternehmen kaum was für den Vertrieb und für den Export investieren. Die meisten Unternehmen exportieren in die Schrott-Regionen wie zum Beispiel in den kriegs- und krisengeschüttelten Ländern Irak, Syrien oder Libyen. Fallen die Zahlungen aus, sind alle pleite. Die kleinen und mittelständischen Betriebe trauen sich nicht auf den europäischen Markt weil sie befürchten, das die Qualität ihrer Produkte nicht ausreichen würde. Die fehlende Qualität ist auf fehlende Investitionen und auf das Verständnis für Qualität zurück zuführen. Es ist ein Teufelskreis. Dennoch: Die Türkei bietet viele Chancen, die es am Schopf zu packen gilt. Die D-A-CH-Regions-Unternehmen haben viele Asse im Ärmel. Ein grosser Trumpf ist, dass es so viele Deutschsprechende wie in keinem anderen Land gibt. Eigentlich ein unfairer Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen europäischen Ländern, das die Türken nutzen sollten und die D-A-CH-Regions-Unternehmen ausnutzen sollten.

Inzwischen leben mehr als 100’000 Deutsche in der Türkei. Des Weiteren mehr als 197’000 Deutschtürken, die in den letzten vier Jahren in die Türkei kamen. Was macht die Türkei so attraktiv für Rentner, Ärzte, Dolmetscher, Chirurgen und Verkäufer?

Die Deutschen sind schon immer ausgewandert. Dass dabei die Türkei eine besondere Rolle spielt glaube ich nicht. Türkische Immobilienmakler sind einfach wahre Verkäufer. Wie die es schaffen, einem All-Inklusiv-Urlauber am Ende seiner Reise auch noch eine Wohnung anzudrehen, bleibt mir ein Rätsel. Gerade die Urlauber mit dem wenigsten Geld kaufen Wohnungen an der türkischen Riviera. Die Touristen, die nach Belek kommen, haben übrigens das meiste Geld. Side und Manavgat-Touristen reisen mit deutlich weniger Geld und jene Feriengäste die in Alanya ankommen, geben ausserhalb der Hotels das wenigstens Geld aus. Siehe da, die meisten Deutschen leben in Alanya und besitzen dort eine Wohnung oder ein Häuschen. Die ersten deutschen Auswanderer, die in Alanya ihren Altersruhesitz ausgewählten hatten, ziehen mittlerweile wieder nach Deutschland aufgrund der besseren medizinischen Versorgung. Sie sind zu alt geworden.

Integrieren sich deutsche Auswanderer gut in der Türkei und lernen sie die türkische Sprache?

Hier lebt es sich wirklich günstiger so lange man nicht in Istanbul oder Ankara lebt. Türkisch lernen nur eine Handvoll Deutsche. Das erinnert mich an eine Begebenheit mit dem berühmten türkischen Pianisten Fazil Say. Er sass neben Deutschen auf Gran Canaria in einem Restaurant, die sich darüber unterhielten, dass man die Deutschtürken nicht integrieren kann. Die erste Generation hätte kaum Deutsch gelernt. Daraufhin fragt der Pianist Say: „Wie lange leben Sie in Spanien?“ Das Ehepaar antwortete: „Rund 25 Jahre sind das jetzt.“ Say fragte weiter: „Sprechen Sie spanisch?“ Das Ehepaar antwortete: „Nein.“ Resumé: Die Deutschen sind schwer integrierbar. Sie bleiben unter sich.

Was bedeutet Integration für Sie in Deutschland? Was bedeutet Integration in der Türkei?

Das Wort Migration kam spät auf und eigentlich rege ich ärgere ich mich darüber. Ich habe nie gewusst was das ist, da ich mich als Deutscher fühle. Die Deutschtürken, die über Integration und Migration reden und im Social-Media die Foren voll schreiben, sind eigentlich sehr gut integriert, nur wissen sie nichts davon. Über ein Thema sich so breit auszulassen, immer wieder vor- und rückwärts zu diskutieren ist doch eigentlich typisch deutsch. Ich höre immer von Deutschtürken, wie sie in Deutschland benachteiligt werden. In Einzelfällen mag das stimmen, aber auch wirklich nur in Einzelfällen. Viele, die mir schreiben beschweren sich darüber dass ihre Bewerbungen abgelehnt werden. Wenn das so ist, müssten ja alle deutschen Bewerber einen Job bekommen. Es ist ja immer einfacher anderen die Schuld zu geben, um sich selbst nicht in Frage zu stellen. Vielleicht war die Bewerbung nicht überzeugend genug? Könnte doch auch möglich sein? Dieses Verhalten des Ausgenutzten und Falschbehandelten gibt es auch in der Türkei. Immer sind die anderen schuld, die einen nicht akzeptieren. Mit mehr Schulbildung, Selbstbewusstsein, perfekten Bewerbungsunterlagen und guten Manieren kommt man hier wie dort weiter! Wir reden hier von einer Minderheit und diese schiebt die Schuld immer gern anderen in die Schuhe und versteckt sich hinter Begriffe wie Integration und Migration, weil er dann nicht über seine eigene Unzulänglichkeit nachdenken muss.

Laut einer Studie der Türkisch-Europäischen Stiftung für Wissenschaft und Bildung, kurz Tavak-Studie, sollen bis 2017 von den 2,9 Millionen Türken die in Deutschland zu Hause sind, mehr als 400’000 Deutschtürken in die Türkei auswandern. Inzwischen sind tatsächlich mehr als 197’000 Deutschtürken in die Türkei ausgewandert. Die meisten von ihnen zieht es in die Großstädte. Wie erklären Sie sich dieses Phänomen?

Ich glaube nicht, dass die Zahlen stimmen, zumal die Deutschtürken, die zurückkehren nicht besonders erfasst werden. Auch melden sich die meisten Deutschtürken in den seltensten Fällen in Deutschland ab. Auf dem Papier sind sie also immer noch da. Um auf Ihre Frage zurück zu kommen: ja, das ist wirklich ein Phänomen! Diese Deutschtürken sind in Deutschland geboren, sie haben in Deutschland studiert oder haben dort eine Ausbildung genossen und die meisten haben einen deutschen Pass, dennoch fühlen sie sich mehr türkisch als deutsch, da ihre ganze Kultur türkisch geprägt ist. Doch die meisten Rückkehrer sind nicht wirklich glücklich in der Heimat ihrer Grosseltern. Klar, es gibt Ausnahmen! Ich beobachte, dass die Deutschtürken in der Türkei unter sich bleiben. In der Heimat ihrer Grosseltern müssen sie feststellen, dass alles ganz anders funktioniert als in Deutschland. Viele der Deutschtürken kommen mit einer sehr grossen Erwartungshaltung in die Türkei. Frau Bartels, Sie kennen meinen Spruch der galoppierenden türkischen Gene. Genau darum geht es. Warum zieht es einen Deutschtürken in die Türkei? Daran sind die Eltern Schuld. Als kleine Kinder flüstern sie ihren Kindern ins Ohr: „Die Deutschen mögen die Türken nicht. Die Deutschen benachteiligen uns im Leben.“ Das ist schleichende Gehirnwäsche im Laufe von vielen Jahren. So entstehen Träume in den Köpfen junger deutschtürkischer Menschen: „Irgendwann gehe ich in die Heimat meiner Eltern und Grosseltern. Irgendwann lebe und arbeite ich dort.“ Allerdings: die wenigsten von ihnen wissen, dass das Leben in der Türkei viel schwieriger als in Deutschland ist. So bald sie dann in der Türkei angekommen sind, erfahren sie schnell, dass Deutschland ein sicherer Hafen für jeden ist. Die wenigstens Deutschtürken mögen sich das eingestehen. Dennoch: Es gibt viele, die nach ein bis drei Jahren nach Deutschland zurück kehren.

Schätzen deutschtürkische Auswanderer das persönliche Ankommen in der Türkei realistisch ein?

Definitiv haben Deutschtürken in der Türkei eine grosse Chance, da sie sowohl deutsch als auch türkisch sprechen. Allerdings: Jeder der in die Türkei auswandert, sollte sich im Vorfeld bei einem deutschen, türkischen oder deutschtürkischen Unternehmen bewerben bevor er in die Türkei auswandert, um sich einen gesunden Vorsprung zu verschaffen. Wer einfach mit einem Koffer voller Hoffnung hier her kommt, der wird vermutlich stranden. In einer Stadt wie Istanbul muss man schnell 1.500 TL für eine Mietwohnung bezahlen. In der Regel ist dann schon mal die Hälfte vom Gehalt weg. Nebenkosten für Heizkosten, Strom und Wasser liegen monatlich bei 500 bis 600 TL. Hier kann der Deutschtürke in der Regel nur existieren, wenn er heiratet und das Paar somit zum Doppelverdiener wird. Doch die Ehe leidet unter den normalen Arbeitsbedingungen in der Türkei. Last but not least darf man auch den Strassenverkehr nicht unterschätzen. In der Regel ist ein Job schnell gefunden, aber dem Deutschtürken wird ziemlich schnell bewusst, dass er sein solides Leben gegen viel Chaos-Leben eingetauscht hat. Wer in Istanbul lebt, der hat einen gedrittelten Tag. Ein drittel des Tages schläft er. Ein drittel des Tages arbeitet er. Ein drittel des Tages steht er im Verkehr.

Was unterscheidet Deutschland und die Türkei grundlegend?

Als Deutscher bin ich gern in Deutschland. Drei, vier Tage deutsche Luft einatmen und schon kann ich das Leben in der Türkei viel besser geniessen. In Deutschland erwartet mich Zivilisation, Ruhe, Ordnung und wenige Überraschungen. In der Türkei angekommen, muss ich mich augenblicklich auf jede Situation neu einstellen. Nichts läuft so, wie ich es mir gedacht habe. Das Leben hat mehr Nuancen und wer das wahrnimmt, kann die Türkei auf einmal geniessen. Allerdings setze ich voraus, dass diese Person gut situiert ist. In der Türkei geht es jedem hervorragend der genug Rücklagen hat.

Es gibt aber auch viele Akademiker, Deutsche und Deutschtürken die in die Türkei auswandern, weil sie hier einen besseren Job, eine bessere Position und eine bessere Weiterentwicklung vorfinden.

Ja, das ist absolut richtig. Die gehen ihren Weg. Dennoch kehren die meisten nach zwei bis sechs Jahren nach Deutschland zurück. Fragen Sie die mal warum.

Was zeichnet den einzelnen Türken aus?

Zweifelsohne ihre Geschäftstüchtigkeit. Diese steckt dem Türken im Blut. Das hält die Wirtschaft am Leben. Viele Selbständige treiben das Geschäft voran, da sie auch untereinander Geschäfte machen. Bedauerlicherweise gibt es keine erkennbaren Strukturen. Dafür viel Chaos. Daran krankt alles. So etwas wie einen Business Plan kennen die meisten Türken gar nicht, da eben vieles über Beziehungen läuft. Ein Beispiel. Neulich war ich in Istanbul in einem Restaurant. Ich bestellte Artischockenherzen. Auf der Karte stand der Preis von 25 TL. Ich erkundigte mich nach dem Geschäftsführer. Der arme Kellner dachte schon, dass ich mich möglicherweise über den zu hohen Preis beschweren wollte. Ganz das Gegenteil war der Fall: „Das Gericht ist zu günstig“, erklärte ich dem Kellner. Der Geschäftsführer kam und rechtfertigte den Preis damit, dass die umliegenden Restaurants denselben Preis nehmen würden. Ich bat den Unternehmer eine Waage zu besorgen und mir mitzuteilen, was die Artischockenherzen und das Hackfleisch im Einkauf gekostet haben. Ich wog und berechnete die Arbeitszeit, Stromkosten und die Kosten der Produkte und kam zu dem Ergebnis, dass das Gericht bereits bei 23 TL netto pro Portion plus 18 Prozent türkischer Mehrwertsteuer liegt. Der Geschäftsführer war entsetzt und sagte: „Und meine Miete beträgt 12.000 TL im Monat. Kein Wunder muss ich mich jeden Monat so verbiegen“. Hier sehe ich die Möglichkeit deutscher Unternehmer, die mehr in deutsch-türkische Unternehmen investieren und klare Strukturen aufbauen.

Dann müsste es doch ein Gewinn für die Türkei sein, dass so viele Deutsche und Deutschtürken in die Türkei kommen?

Das sind immer noch deutlich zu wenige, um im flächenmässig doppelt so grossen Land der Türkei im Vergleich zu Deutschland sinnvoll Strukturen aufzubauen. Gern erinnere ich an den technischen Überwachungsverein, TÜV, in Deutschland. So etwas gab es bis 2008 in der Türkei gar nicht. Sicherlich mussten unsere Autos auch vorgeführt werden, aber hier konnte immer bestochen werden. Also holten wir den deutschen TÜV in die Türkei. Nun haben wir in der Türkei 1:1 das deutsche System und siehe da: Nun funktioniert die Verkehrsabnahme im gesamten Land flächendeckend gut. By the way: TÜV Süd kam über eine Ausschreibung zu diesem Business.

Woran krankt es besonders in der Türkei?

Wie gesagt: türkische Kinder lernen in der Schule nichts und an den Universitäten lernen sie auch nicht mehr viel. Es ist schon inflationär, wie überall im Land neue Unis aufgemacht werden. So viele Lehrkörper hat die Türkei gar nicht. Deutsche Unternehmen, die mit türkischen Unternehmen per Email Kontakt aufnehmen wundern sich, dass ihre Emails unbeantwortet bleiben. Das ist einfach zu erklären: Der Türke spricht kein Englisch. Schreibt der Deutsche in Türkisch bekommt er sofort Antwort. Es ist deprimierend, aber das ist eine Tatsache. Den meisten Türken ist alles gleichgültig. Sie werden schlecht bezahlt, geführt und motiviert werden sie überhaupt nicht. Es gibt alleine bei einer Online-Jobmaschine 20 Millionen Arbeitssuchende. So viele Arbeitslose gibt es in der Türkei nicht. Das sind alles Arbeitnehmer, die sich bei einem Job quälen, sich bezahlen lassen und gleichzeitig nach einer neuen Arbeitsstelle suchen.

Wenn Sie Bundeskanzler von Deutschland wären, was würden Sie ändern wollen?

Welch Wunder, ich würde das Visa für die Türken sofort aufheben. Die Türken sind sehr geschäftstüchtig. Deutschland ist der grösste Handelspartner der Türkei. Gäbe es keinen Visa-Zwang, dann würde die Wirtschaft der Türkei und Deutschland endlich noch mehr sinnvolle Nahrung bekommen. Der Handel zwischen den beiden Ländern würde explodieren. Darüber hinaus würden türkische Touristen und Geschäftsleute viel Geld in Deutschland lassen. Die deutschen Exporte in der Türkei würden steigen.

Wenn Sie Präsident der Türkei wären, was würden Sie ändern wollen, Herr Dener?

So einen Posten würde ich nicht anstreben. Die Türken sind nicht mehr die, die sie einmal waren als Mustafa Kemal Atatürk das Land regierte. Allen Türken ist alles gleichgültig geworden. Die Türken sind gern Sklaven und sie scheinen sich dabei wohl zu fühlen ausgenutzt und ausgebeutet zu werden. Manche sehnen sich nach dem osmanischen Reich oder zumindest nach den Zuständen die damals herrschten. Unfassbar. Daran erkennt man doch, wie ungebildet die Menschen sind. Im osmanischen Reich dienten die Menschen als Sklaven. Sie waren unmündige Bürger. Es gab nur einen – den da oben. Er bestimmte sogar über seine eigene Familie. Gelebt hat nur der Sultan, die anderen haben überlebt. Was kann an diesem Zustand gut sein? Nichts! Die Türkei wird immer ein Spielball der grossen Mächte bleiben. Immer.

Was ist Heimat für Sie, Herr Dener?

Heimat ist da, wo ich mich wohlfühle und ich fühle mich eigentlich überall wohl. Geld spielt dabei eine ganz wichtige Rolle. Ich halte nichts davon, Gesundheit als Wichtigste vorneweg zu stellen. Klar, was nützt Geld, wenn die Gesundheit hinterher hinkt. Die Päpste im Vatikan beweisen es doch. Du wettest, dass die bei Amtsantritt kein Jahr überleben und staunst 20 Jahre später, dass sie sich immer noch niederknien um den Boden zu küssen. Wenn einer an einer Krankheit stirbt, sagt man gern: „Was hat ihm das viele Geld genützt? Jetzt ist er auch unter der Erde.“ Nur können Sie mir glauben, sein Geld war nicht der Grund, weshalb er an einer Krankheit verstorben ist. In den Lebensphasen in denen es mir schlechter ging, war ich erstaunlicherweise immer nur gesund. Was das alles mit Heimat zu tun hat? Das muss ich mir noch überlegen.

Sie waren viele Jahre mit einer deutschen Frau liiert. Verheiratet sind Sie mit einer Türkin. Verraten Sie uns bitte: Wer ist die bessere Partnerin fürs Leben?

In Deutschland hatte ich nie eine türkische Freundin. Zu meiner Zeit waren die türkischen Mädels zu affektiert und als Bursche lebtest du gefährlich, denn das türkische Mädchen kannte jeden. Das war mir fremd. Ich hatte nur deutsche Freundinnen. Grundsätzlich halte ich die deutschen Frauen für pflegeleichter. Das Entscheidende ist, dass du mit einer deutschen Frau zusammenleben kannst ohne den Druck einer Heirat ausgesetzt zu sein. Bei der türkischen Frau lebst du gefährlich: In dem Augenblick wo du die Familie kennenlernst, heiratest Du die ganze Familie samt Umfeld mit. Begegnungen der unglaublichen Art gehören zur Tagesordnung. Kleine abendliche Besuche der lieben Familie kurz vor Mitternacht: „Wir waren gerade in der Nähe…“ Kinder die um 02.00 Uhr nachts ins Bett geschickt werden, „weil es sonst zu spät wird“. Eine Ehe mit einer türkischen oder deutschtürkischen Ehefrau in der Türkei zu managen ist wesentlich schwieriger. Hier wird man vom Umfeld und den Gegebenheiten gelenkt. Das muss man zu kompensieren wissen. Hat man Kinder, dann wird es um so schwieriger. Lassen wir das Thema, Frau Bartels, es erzeugt schon Stress in mir, wenn ich nur darüber reden muss.

 

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